Berlins Gewässer
Berlin ist wasserreich: Neben Spree, Havel und Dahme prägen die vielen Seen und Kleingewässer das Stadtbild. Die Berliner Gewässer sind dabei wichtige aquatische Lebensräume, Hotspots für Naherholung und Wassersport sowie Orte der Kühlung an heißen Sommertagen.
Gleichzeitig stehen unsere Gewässer aber auch unter Stress: Der Klimawandel und die damit einhergehende Hitze erwärmen das Wasser zu stark und – im Falle von Kleingewässern – lassen diese vollkommen austrocknen. Damit gehen wichtige Ökosysteme und Orte der Biodiversität verloren. Gleichzeitig verdrecken Regenwasser von den Straßen und Mischwasserüberläufe aus der Kanalisation die Gewässer. Die Pflege der Gewässer ist kostenintensiv und aufwendig und die Bezirke sind für diese Aufgabe nicht ausreichend ausgestattet. In Rahmen meiner Gewässerreihe besuche ich verschiedene Berliner Gewässer und beleuchte mit Expert*innen sowie interessierten Bürger*innen die Chancen und Herausforderungen unserer urbanen Gewässer.
Begleitet auf dem Spaziergang hat uns eine Stadtnatur-Rangerin aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Ranger*innen-Projekt der Stiftung Naturschutz Berlin läuft seit mehr als 5 Jahren und ist ein voller Erfolg: Die Ranger*innen sorgen mit Gebietsbeobachtungen, öffentlichen Veranstaltungen in der Natur und Aufklärungsarbeit dafür, dass die Menschen stärker mit der Stadtnatur vor ihrer Haustür verbunden sind. Auch Sibylle Centgraf (Sprecherin für Klimaschutz, Grüne Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf) hat mich bei dem Spaziergang unterstützt und konnte aus dem Bezirk berichten. An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank!!!!
Volkspark Jungfernheide
Der Volkspark Jungfernheide gilt als Gartendenkmal und ist der zweitgrößte Park Berlins. Gleich an unserem Treffpunkt am Wasserturm konnten wir von Sibylle Centgraf schon einige Infos über den Park erfahren und vor allem was der Bezirk in den vergangenen Jahren hier gemacht hat. Ein Highlight waren auf jeden Fall die Fledermausboxen und die Webcam, mit der man die Fledermäuse beobachten kann (Siehe Bild 1). Es gibt auch eine Webcam im Nest der Turmfalken, die sich im Wasserturm niedergelassen haben.
Von 2019 bis 2023 wurde der gesamte Park saniert. Die Wiese wurde beispielsweise nachhaltig saniert und ökologisch aufgewertet. Ziel war es, dass auch im Sommer auf eine künstliche Bewässerung und Düngung verzichtet werden kann1. Dies hat man unteranderem damit geschafft, dass Myzellen – also Bestandteile von Pilzen – in den Grund eingearbeitet worden. Außerdem wurde künstliche terra preta verwendet, die besonders fruchtbar ist. Interessant hieran ist, dass diese Erde insgesamt CO2 -negativ ist. Bei der Produktion dieser Erde wird also weniger CO2 ausgestoßen, als sie speichern kann, sagte die Stadtnaturrangerin. Diese fruchtbare Erde und was darauf wächst und lebt steht auch bei den Wildschweinen des Parks hoch im Kurs (siehe Bild 2).


Jungfernheideteich
Für den ersten Gewässerspaziergang hat es uns zum Jungfernheideteich verschlagen. Der Jungfernheideteich wurde in den 1920er Jahren im Rahmen der Umgestaltung der Parkfläche zu einem Landschaftspark künstlich geschaffen. Bis heute wird zur Stabilisierung des Wasserhaushalts Wasser aus dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal gespeist. Das Wasser fließt in freiem Gefälle durch den Nonnengraben in den Jungfernheideteich und verlässt diesen südlich wieder über die Spree. Während der Sanierung hat der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf dann umfangreiche Gewässersanierungsmaßnahmen unternommen, dazu gehören die Etablierung von Wasserpflanzen, das Einsetzen von Geophytofiltern zum Nährstoffrückhalt, eine Fischbestandsregulierung und das Einführen von Kontrollmöglichkeiten des Zustroms aus dem Berliner Schifffahrtskanal und dem Grundwasser mit Hilfe automatisierter Messeinrichtungen. Der Jungfernheideteich hat dadurch eine ausgezeichnete Wasserqualität und bietet neben dem Freibad im westlichen Teil auch vielen Tieren, darunter Fischen, Bibern und Libellen, einen Lebensraum. Ein paar Tiere – bzw. ihre Spuren – konnten wir entdecken. Wir konnten einen Reiher am Inselufer sehen und in der Dämmerung zahlreiche Fledermäuse beim Jagen beobachten. Die Spuren der Biber im Park sind unübersehbar (Bild 3).
Am Wasser habe ich vor allem über die derzeitigen Haushaltsberatungen und die Haushaltsentwürfe für den Öko-Bereich gesprochen. Die Entwürfe sehen massive Kürzungen im Bereich des Klima- und Naturschutzes vor. Das Kleingewässerprogramm soll – Stand jetzt – um 2 Millionen Euro gekürzt werden. Von 4,8 Millionen auf 2,8 Millionen. Das ist besonders absurd, weil die Koalition sich noch in den letzten Haushaltsberatungen dafür hat feiern lassen, dass sie das Programm geschaffen haben. Bei der Menge an Kleingewässern und dem Bedarf wären aber auch die 4,8 Millionen Euro zu wenig.
Aber es gibt auch noch andere Probleme. In der Systematik zwischen Land und Bezirk kann der Bezirk bspw. kein einzelnes Produkt für die Instandhaltung oder Sanierung eines Kleingewässers buchen. Das bedeutet, sie können auch bei Bedarf keine Gelder dafür beim Land buchen, wodurch auch der tatsächliche Bedarf nicht beim Land angezeigt werden kann. Hieraus ergibt sich eine strukturelle Unterfinanzierung.
Ein letzter Tipp von mir noch: Im Park gibt es einen Erlebnispfad mit zahlreichen Stationen, an denen man sich noch mehr Infos über den Park holen kann. Probiert es mal aus!


Alle Fotos: June Tomiak
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf (31.10.2025): https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechen/gruenflaechen/artikel.1585232.php ↩︎