Podiumsdiskussion zur Renaturierung der Panke

Manfred Schubert, Leonie Goll und June Tomiak (v.l.n.r.)

Am 22. August, passend zum Tag der Fische, habe ich im Soldiner Kiez für frischen Wind beim Thema Panke-Renaturierung gesorgt. War das Thema noch vor einigen Jahren in aller Munde, ist die öffentliche Diskussion um die Renaturierung der Panke inzwischen fast zum Erliegen gekommen. Vor allem langwierige Prozesse in der Verwaltung und Planfeststellungsverfahren haben dafür gesorgt, dass das ehemals viel besprochene Thema innerhalb der letzten Jahre fast aus dem öffentlichen Raum verschwunden ist.

Dabei hat sich auch so in den letzten Jahren einiges bewegt: Die Pläne wurden konkretisiert, die Ergebnisse der Beteiligungsverfahren eingearbeitet und erste Bauvorhaben entworfen. Für unsere Veranstaltung hatten wir zwei spannende Expert*innen zu Besuch: Leonie Goll aus dem Referat für Wasserwirtschaft, Wasserrecht und Geologie in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie Manfred Schubert von der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz. Zum Eingang der Veranstaltung präsentierte Leonie Goll den aktuellen Stand der Pläne für die Renaturierung. Dabei ging sie sehr konkret ein auf die konkreten Pläne für unterschiedliche Standorte im Wedding und konnte schon anfangs viele Fragen von Anwohner*innen beantworten. Insgesamt war die Veranstaltung gut besucht, vor allem von Menschen aus dem Wedding, die unmittelbar von den Plänen betroffen sind, aber auch von einigen weitergereisten Wasserliebhaber*innen.

Bei der Panke ist zunächst zu beachten, dass diese durch ihren Ursprung in Bernau auch einen ländlichen Verlauf hat, bevor sie dann durch Pankow und den Wedding und somit durch ein stark urban geprägtes Gebiet verläuft. Hier sind dementsprechend auch die Wasserqualität sowie die natürlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlich zu bewerten. Im städtischen Bereich ist der Unterlauf der Panke durch unnatürliche Einfassungen und künstliche Begradigungen geprägt. Durch die unterschiedlichen Gegebenheiten sind auch die Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sehr verschieden: Insgesamt ist das Ziel, hier eine Bewertung eines nach der Wasserrahmenrichtlinie “guten” Wasserzustands zu erreichen.

die Panke

Ein großes Thema spielten auch die Tiere in der Panke: Vor allem die Wanderung der Fische und Rückzugsräume durch Strömungsdiversität sind auch innerhalb der geplanten Maßnahmen wichtige und beachtenswerte Punkte. So wird hier darauf geachtet, dass Fischwanderhilfen eingebaut werden wie z.B. Borstenpässe. Das sind nach oben ragende Borsten, durch die strömungsberuhigte Bereiche für die Fische zum Pausieren entstehen. Zusätzlich wird dadurch die Besiedelungsfläche vergrößert.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Hochwasseranfälligkeit der Panke. Bei starken Regenfällen kam es in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder dazu, dass die Panke über ihre Ufer trat. Auch diese Anfälligkeit muss in den Planungen Berücksichtigung finden. So dürfen neu gebaute Strukturen nicht das Abfließen im Fall eines Hochwassers beeinträchtigen.

Vor allem für Anwohner*innen hat Leonie Goll auch deutlich gemacht, dass die Umbaupläne auch zur Folge haben werden, dass einige Bäume gefällt werden müssen. Dies erfolgt einerseits vor dem Hintergrund, dass einige Bäume nicht standortgerecht sind. Hierzu gehören z.B. Kastanien, deren Laub von den in der Panke vorhandenen Organismen kaum gefressen wird und sich so im Wasser ansammelt und Fäulnisprozesse verstärkt. Andererseits ermöglichen Baumfällungen stellenweise erst die Umbaumaßnahmen an der Panke. So sollen abschnittsweise flachere und steilere Strukturen hergestellt werden, wobei zur Linienführung zum Teil Fällungen nötig sein werden. Gleichwohl hat Leonie Goll auch noch einmal versichert, dass sorgfältig durch die Senatsverwaltung geprüft werden wird, wo Baumfällungen wirklich notwendig sind, dabei wird nach Möglichkeit eine Fällung größerer Bäume vermieden.

Bei der Veranstaltung kam auch die Frage auf, ob man wieder baden können wird in der Panke. Dies kann jedoch nicht gewährleistet werden, da die Panke zeitweise unter einer hohen bakteriellen Belastung leidet. Somit kann nicht garantiert werden, dass die Wasserqualität ständig den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie entspricht.

volles Kiezbüro

Insgesamt hat die Veranstaltung auch klar gemacht, dass für die Pläne vor allem auch eine transparente Beteiligung und Information der Anwohner*innen der Panke wichtig ist, ganz besonders auch dann, wenn es zu Baumaßnahmen oder auch Baumfällungen in der unmittelbaren Umgebung kommt. Außerdem wurde deutlich, dass auch die ausgefeiltesten Umbaumaßnahmen die Panke im städtischen Gebiet nicht wieder in ihren natürlichen Ursprungszustand zurückversetzen können. Somit ist hier wohl eher von einer Revitalisierung zu sprechen als von einer tatsächlichen Renaturierung. Dennoch werden wir durch die geplanten Maßnahmen der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in naher Zukunft ein Panke erleben können, die dem ursprünglichen norddeutschen Tiefbach auch in urbaner Gegend möglichst nahe kommen wird.

Berlin bekommt durch die Revitalisierung der Panke ein Stück Wildnis zurück. Und wir vor Ort im Wedding und Gesundbrunnen wieder mehr Natur vor die Haustür.