Gedenkspaziergang im Gesundbrunnen

Anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938 wollten wir uns auch in diesem Jahr wieder gemeinsam auf Spurensuche im Gesundbrunnen begeben. Aufgrund der COVID-19 Pandemie kann unsere Veranstaltung jedoch leider nicht wie geplant stattfinden.

Damit das Gedenken an den Schrecken des NS-Regimes dennoch möglich wird, grade jetzt, zu einer Zeit in der viele Gedenkveranstaltungen nicht sicher durchgeführt werden können, wird der Spaziergang dezentral stattfinden. Dafür könnt ihr euch am offiziellen Gedenktag, dem 9. November, aber natürlich auch an jedem anderen Tag im November auf den Weg machen. Statt wie geplant als Gruppe kann sich nun jede*r mit dem eigenen Haushalt oder allein auf Spurensuche begeben.

Dabei bitten wir euch darum, euch an die geltenden Hygienemaßnahmen zu halten. Haltet Abstand zu anderen Passant*innen und tragt einen Mund-Nasen-Schutz, wenn ihr den Abstand nicht einhalten könnt. Vermeidet Gruppen und seid möglichst nur mit Menschen aus eurem eigenen Haushalt unterwegs.

Wenn ihr beim Gedenken die Stolpersteine putzen möchtet, benötigt ihr Messing-Polierpaste, einen kratzfreien Schwamm, ein Geschirrtuch und ggf etwas Wasser. Gerne könnt ihr auch Blumen mitnehmen und niederlegen. Im letzten Jahr haben wir geputzt, Blumen niedergelegt & ein Teelicht im Glas aufgestellt, um die Stolpersteine sichtbarer zu machen.

Die Orte des Schreckens, des Widerstands und Stoplersteine im Kiez haben wir hier für euch gesammelt und stellen euch zudem die Infos zur Verfügung, die wir an jeder Station verlesen hätten.

An dieser Stelle möchte ich erneut meinem ehemaligen Praktikanten Nicolai danken, der diesen Gedenkspaziergang während des Praktikums bei mir maßgeblich entwickelt hat.

Wir freuen uns trotz der besonderen Situation ein Gedenken zu ermöglichen & euch teilhaben lassen zu können, an der Veranstaltung die wir so ungern hätten ausfallen lassen. Wir freuen uns auf das gemeinsame Gedenken, auch wenn wir alle für uns gehen. Wenn ihr Fotos oder Gedanken von eurem Gedenkspaziergang mit uns teilen möchtet stellen wir diese gern hier allen anderen auch zur Verfügung.

Bleibt gesund & bis bald,

June Tomiak, MdA & das Team aus dem Kiezbüro Soldiner 42.

In der Karte sind die Stoplersteine und Stationen markiert, sowie die Route des Spaziergangs.

  1. Blochplatz mit Blick auf den Flakturm Humboldthain

Flakturm Humboldthain

Die Türme dienten als Schutzraum und Verteidigungseinheit gegen Luftangriffe. 

Zwischen 1940 und 1942 wurden 3 Anlagen dieser Art gebaut, diese hier im Volkspark Humboldthain. 

Sie bestanden aus zwei Türmen, einem Gefecht und einem Befehlsturm, dem sogenannten „Leitturm“. 

Erbaut wurden die Türme sowohl von regulären Berliner Baufirmen als auch von Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen.

Der Bunker sollte Frauen und Kinder schützen, die dort die Nächte in Sicherheit verbringen sollten, damit sie tagsüber weiter in den Fabriken der Stadt arbeiten konnten.

Im Innern gab es einzelne, etwa 6 m² große Kammern die dafür ausgelegt waren je zwei Mütter und ihre Kinder aufzunehmen. Insgesamt sollten hier bis zu 15.000 Menschen Schutz finden, in der Realität wurden es im jedoch viel mehr. 

Die Bunkertürme dienten aufgrund ihrer Größe vor allem der Propaganda. 

Sie waren weder dazu geeignet vielen Menschen Schutz zu bieten noch militärisch besonders wirkungsvoll. 

Für die gleichen Kosten des gigantischen Bauwerks hätten mehr Menschen in gewöhnlichen Bunkeranlagen Schutz gefunden.

Nach dem Krieg sollten die Türme dekoriert werden und als eine Art Kultstätte dienen. 

Die Bunkertürme überdauerten den 2. Weltkrieg und konnten auch danach nicht vollständig gesprengt werden, da sie sich zu nahe an der Ringbahn befanden, die von der Sowjet Union betrieben wurde.

In den Folgejahren des zweiten Weltkrieges wurden hunderte Tonnen Schutt von den Bewohner*innen der zerstörten Stadt dort abgeladen. 

Der Großteil des noch intakten Turms  wurde seit dem Ende des Kriegs mit Schutt bedeckt. 

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist FA500632-80B9-4232-B7A5-F659D077B94C-800x800.jpg

2. Amtsgericht Wedding

Seit 1933 befindet sich am Giebel des Amtsgerichts Wedding ein Reichsadler. Dieser wurde dort 1933 mit Hakenkreuz angebracht. Obwohl das Hakenkreuz inzwischen entfernt wurde, lässt es sich unter dem Reichsadler mit Eichenkranz noch immer erahnen, da der Reichsadler bis heute nicht entfernt wurde. Ich hab deshalb schon eine Anfrage gestellt. Die findet ihr hier.

Das hat damals auch die Presse aufgegriffen. Hier zu finden. .

Da der Adler aber immer noch hängt darf diese Station auch dieses Jahr nicht fehlen.

3. Stolpersteine Badstraße 44:

  • Leopold Simon, 1902
  • Käthe Julie Simon, 1908
  • Erika Esther Simon, 1933
  • Heinz Simon, 1935
  • Micha (Mechel) Simon, 1941

Über die Geschichte und die Bewohner*innen dieses Hauses sind wir sehr gut informiert. Hier lebten Michaelis (geb. 1877) und Johanna Leschnik (geb. 1883). Er arbeitete als Uhrmachermeister, Juwelier und Optiker und eröffnete 1904 ein Geschäft in der Weddinger Badstraße 42–43. Im Januar 1905 heirateten Michaelis und Johanna. 

Sie bekamen zwei Kinder, Irene und  Käthe. Ob und wenn ja, was, Johanna gearbeitet hat, wissen wir leider nicht.

Michaelis war der letzte Vorsitzende des Synagogenvereins Ahavas Achim (Bruderliebe). 

Dieser Synagogenverein, gegründet 1899, hatte 1910 eine kleine Synagoge auf dem Hinterhof in der Prinzenallee 87 errichten lassen.

Die 3-Zimmer-Wohnung der Leschniks in der Badstraße hatte eine Bibliothek und ein Klavier. 

Dem Geschäftsboykott im April 1933 und antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, schloss Michaelis Leschnik sein Optik- und Fotogeschäft in der Beusselstraße in Tiergarten und musste es im September 1933 gezwungenermaßen weit unter Wert verkaufen.

Einen Monat später, im Oktober 1933, floh seine Tochter Irene mit ihrem Mann nach Palästina. 

Sie kam 1937 noch einmal nach Berlin zurück, um gemeinsam mit der Familie den 60. Geburtstag von Michaelis Leschnik zu begehen und blieb von April bis Juli. Es war der letzte Besuch.

„Am 9. November 1938 wurde dem Herrn Leschnik das ganze Geschäft vollständig zertrümmert und ausgeräumt. Das Haus Buttmanstraße (…) musste er verkaufen und sah nun, wie alles, was er in 35 Jahren größter Sparsamkeit und Arbeit aufgebaut hatte, kaputt ging“, 

erzählte die Freundin seiner Töchter im Entschädigungsverfahren. 

Auch der Schöneberger Laden seines Schwiegersohnes Leopold Simon wurde ausgeraubt und zertrümmert, die Simons flohen mit ihren beiden Kindern zurück zu den Leschniks in den Wedding und zogen zu ihnen in die Badstraße. 

Michaelis Leschnik wurde dann wie alle jüdischen Menschen gezwungen, die sogenannte Judenvermögenssteuer zu zahlen, in seinem Fall 7500 Reichsmark; eine Summe, die er nicht mehr zur Verfügung hatte. 

Kurz darauf erlitt er einen Herzinfarkt, den er knapp überlebte. 

Laut einem Brief seiner Frau Johanna hatte er furchtbare Angst vor einer Emigration ins Ausland, weil er sich nicht vorstellen konnte, für den Unterhalt sorgen zu können. 

Am 13.03.1939 nahm sich Michaelis Leschnik in der nah gelegenen Panke das Leben. 

Seine Frau Johanna stand jetzt alleine da, auch die Forderung der 7500 Reichsmark ging nun an sie allein über. 

Sie musste sämtliche Wertsachen und blieb mittellos zurück. Im besagten Brief schreibt sie, wie deprimiert sie darüber war und dass die Aussichten auf eine Flucht immer geringer wurden. 

Sie versuchte trotzdem ein Visum für Palästina zu bekommen. Sie hinterließ bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 872 Reichsmark für eine Kaution für eine Fahrt dorthin. 

Im Juli 1939 schrieb sie an ihre Tochter Irene: „… ein Zertifikat scheine ich nicht zu bekommen“.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1939 musste Johanna Leschnik ihre Wohnung in der Badstraße 44 verlassen und zur Untermiete in eine sogenannte „Judenwohnung“ in die Wilhelmsaue 5  in Wilmersdorf ziehen. 

In diesen aus jüdischem Besitz enteigneten Häusern lebten ausschließlich Jüdinnen und Juden, um sie besser kontrollieren zu können. -> Stichwort Ghettoisierung. 

Noch immer versuchte sie, Deutschland in Richtung Palästina zu verlassen. 

1941 wurde Johanna Leschnik zur Zwangsarbeit eingezogen und musste bei der Papierfabrik Franz Grimm in Berlin-Mitte arbeiten. 

Im Januar 1942 musste sie einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. 

Ihre Schwester Erna Weinberg nahm sich angesichts ihrer bevorstehenden Deportation das Leben. 

Ernas Tochter Käthe meldete die Beerdigung beim Jüdischen Friedhof in Weißensee an. 

Im Mai 1942 wurde Johanna Leschnik erneut zum Umzug in eine andere „Judenwohnung“ gezwungen und kehrte in die Badstraße zurück 

Vielleicht kannte sie den jüdischen Wohnungsinhaber Barkowsky in der Hausnummer 32. 

Sie lebte dort in einem Zimmer, für das sie 30 Reichsmark monatlich bezahlen musste. 

Nur sechs Wochen später wurde sie am 13. Juni 1942 nach Sobibor deportiert, wo sie drei Tage später direkt nach der Ankunft ermordet wurde.

Ihre Tochter Käthe wurde im Sommer 1942 verhaftet, weil sie einem jungen Widerstandskämpfer der Herbert-Baum-Gruppe Unterschlupf organisiert hatte. 

Aus dem Gefängnis heraus wurde sie nach Auschwitz deportiert. 

Sie wurde von ihrer Schwester nach dem Krieg auf einem Bild von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen erkannt, doch was danach mit ihr passierte, wissen wir nicht. 

Johannas Schwiegersohn Leopold Simon wurde mit seinen Kindern ebenfalls nach Auschwitz verschleppt und dort direkt nach Ankunft ermordet. 

Über die Geschichte und die Bewohner*innen dieses Hauses sind wir sehr gut informiert. Hier lebten Michaelis (geb. 1877) und Johanna Leschnik (geb. 1883). Er arbeitete als Uhrmachermeister, Juwelier und Optiker und eröffnete 1904 ein Geschäft in der Weddinger Badstraße 42–43. Im Januar 1905 heirateten Michaelis und Johanna. 

Sie bekamen zwei Kinder, Irene und  Käthe. Ob und wenn ja, was, Johanna gearbeitet hat, wissen wir leider nicht.

Michaelis war der letzte Vorsitzende des Synagogenvereins Ahavas Achim (Bruderliebe). 

Dieser Synagogenverein, gegründet 1899, hatte 1910 eine kleine Synagoge auf dem Hinterhof in der Prinzenallee 87 errichten lassen.

Die 3-Zimmer-Wohnung der Leschniks in der Badstraße hatte eine Bibliothek und ein Klavier. 

Dem Geschäftsboykott im April 1933 und antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, schloss Michaelis Leschnik sein Optik- und Fotogeschäft in der Beusselstraße in Tiergarten und musste es im September 1933 gezwungenermaßen weit unter Wert verkaufen.

Einen Monat später, im Oktober 1933, floh seine Tochter Irene mit ihrem Mann nach Palästina. 

Sie kam 1937 noch einmal nach Berlin zurück, um gemeinsam mit der Familie den 60. Geburtstag von Michaelis Leschnik zu begehen und blieb von April bis Juli. Es war der letzte Besuch.

„Am 9. November 1938 wurde dem Herrn Leschnik das ganze Geschäft vollständig zertrümmert und ausgeräumt. Das Haus Buttmanstraße (…) musste er verkaufen und sah nun, wie alles, was er in 35 Jahren größter Sparsamkeit und Arbeit aufgebaut hatte, kaputt ging“, 

erzählte die Freundin seiner Töchter im Entschädigungsverfahren. 

Auch der Schöneberger Laden seines Schwiegersohnes Leopold Simon wurde ausgeraubt und zertrümmert, die Simons flohen mit ihren beiden Kindern zurück zu den Leschniks in den Wedding und zogen zu ihnen in die Badstraße. 

Michaelis Leschnik wurde dann wie alle jüdischen Menschen gezwungen, die sogenannte Judenvermögenssteuer zu zahlen, in seinem Fall 7500 Reichsmark; eine Summe, die er nicht mehr zur Verfügung hatte. 

Kurz darauf erlitt er einen Herzinfarkt, den er knapp überlebte. 

Laut einem Brief seiner Frau Johanna hatte er furchtbare Angst vor einer Emigration ins Ausland, weil er sich nicht vorstellen konnte, für den Unterhalt sorgen zu können. 

Am 13.03.1939 nahm sich Michaelis Leschnik in der nah gelegenen Panke das Leben. 

Seine Frau Johanna stand jetzt alleine da, auch die Forderung der 7500 Reichsmark ging nun an sie allein über. 

Sie musste sämtliche Wertsachen und blieb mittellos zurück. Im besagten Brief schreibt sie, wie deprimiert sie darüber war und dass die Aussichten auf eine Flucht immer geringer wurden. 

Sie versuchte trotzdem ein Visum für Palästina zu bekommen. Sie hinterließ bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 872 Reichsmark für eine Kaution für eine Fahrt dorthin. 

Im Juli 1939 schrieb sie an ihre Tochter Irene: „… ein Zertifikat scheine ich nicht zu bekommen“.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1939 musste Johanna Leschnik ihre Wohnung in der Badstraße 44 verlassen und zur Untermiete in eine sogenannte „Judenwohnung“ in die Wilhelmsaue 5  in Wilmersdorf ziehen. 

In diesen aus jüdischem Besitz enteigneten Häusern lebten ausschließlich Jüdinnen und Juden, um sie besser kontrollieren zu können.

 -> Stichwort Ghettoisierung. 

Noch immer versuchte sie, Deutschland in Richtung Palästina zu verlassen. 

1941 wurde Johanna Leschnik zur Zwangsarbeit eingezogen und musste bei der Papierfabrik Franz Grimm in Berlin-Mitte arbeiten. 

Im Januar 1942 musste sie einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. 

Ihre Schwester Erna Weinberg nahm sich angesichts ihrer bevorstehenden Deportation das Leben. 

Ernas Tochter Käthe meldete die Beerdigung beim Jüdischen Friedhof in Weißensee an. 

Im Mai 1942 wurde Johanna Leschnik erneut zum Umzug in eine andere „Judenwohnung“ gezwungen und kehrte in die Badstraße zurück 

Vielleicht kannte sie den jüdischen Wohnungsinhaber Barkowsky in der Hausnummer 32. 

Sie lebte dort in einem Zimmer, für das sie 30 Reichsmark monatlich bezahlen musste. 

Nur sechs Wochen später wurde sie am 13. Juni 1942 nach Sobibor deportiert, wo sie drei Tage später direkt nach der Ankunft ermordet wurde.

Ihre Tochter Käthe wurde im Sommer 1942 verhaftet, weil sie einem jungen Widerstandskämpfer der Herbert-Baum-Gruppe Unterschlupf organisiert hatte. 

Aus dem Gefängnis heraus wurde sie nach Auschwitz deportiert. 

Sie wurde von ihrer Schwester nach dem Krieg auf einem Bild von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen erkannt, doch was danach mit ihr passierte, wissen wir nicht. 

Johannas Schwiegersohn Leopold Simon wurde mit seinen Kindern ebenfalls nach Auschwitz verschleppt und dort direkt nach Ankunft ermordet. 

Auch Johannas Bruder Heinrich Weinberg  wurde im März 1943 zusammen mit seiner Frau Hedwig nach Auschwitz deportiert und ermordet.

4. Stolperstein Bastianstraße 11:

  • Paul Arenberg

5. Stolpersteine Badstraße 58:

  • Issak Barkowsky, 1886
  • Frieda Barkowsky, 1893
  • Alfred Barkowsky, 1924
  • Friedrike Barkowsky, 1899
  • Ilse Barkowsky, 1927

Seit 1909 wohnten Isaak (geb. 1886) und Frieda Barkowsky (geb. 1893) in der Badstr. 58. Issak Barkowsky hatte zusammen mit seinen Brüdern vier Kleidgungsgeschäfte in Berlin-Wedding. 

Nachdem per Gesetz Juden keiner selbständiger Arbeit mehr nachgehen durften, musste er seine Geschäfte aufgeben und fand Arbeit bei den Siemens Kabelwerke. 

Ihr Sohn Alfred (geb. 1924) arbeitet als Tischler im Holzverarbeitungswerk der Gebrüder Hauk. 

Die Schwester Isaaks, Friedrike Barkowsky (geb. 1899), war als Arbeiterin bei Siemens Halske beschäftigt. 

Ihre Tochter Ilse (geb. 1927) verdiente ihren Lebensunterhalt als Maschinenarbeiterin bei der Firma Krauspe. 

Die Familie Barkowsky wurde mit dem 30. Osttransport vom 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Stolperstein Badstraße 61:

  • Familie Horowitz

Wir wissen leider nicht viel über Familie Horwitz. Hier lebten Hilde (geb. 1914) und Walter (geb. 1909) Horwitz. Ihre Tochter Tana wurde 1942 geboren. Sie wurden am 14.12.1942 nach Riga deportiert und dort im Ghetto ermordet. 

Stolpersteine Badstraße 64:

  • Rudolf Hopp, 1914
  • Ruth Hopp, 1920
  • Joel Abel Hopp, 1940
  • Rene Hopp, 1938
  • Benno Ehrmann, 1870
  • Helene Ehrmann, 1884

Auch über ihre Nachbarn die Ehrmanns ist uns wenig bekannt. Das Ehepaar Helene (geb. 1884) und Benno (1870) Ehrmann wurde am 03.10.1942 nach Theresienstadt/Terezín deportiert und dort im November ermordet. 

Im selben Haus wie Familie Ehrmann lebten die Hopps. Auch über sie ist nicht viel bekannt, jedoch könnte es sich bei Ruth Hopps, geborene Ehrmann (geb. 1920) um die Tochter von Helene und Benno Ehrmann handeln, die mit ihrem Ehemann Rudolf (geb. 1914) und ihren Kindern Joel Abel (geb. 1940) und Rene (geb. 1938) im gleichen Haus wohnten. Die ganze Familie wurde im Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.

6. Stolpersteine Bellermannstraße 79:

  • Martha Rosen, 1883
  • Günter Rosen, 1918

Hier lebten Martha Rosen (geb. 1883) mit ihrem Sohn Günter (geb. 1918)

Martha Rose führte nach dem Tod ihres Ehemanns das ehemals gemeinsame Geschäft »Gardinen- und Teppichhaus des Nordens« in der Prinzenallee 2-4 alleine weiter. Im November 1938 war sie gezwungen, ihr Geschäft zu verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt zog auch ihre Schwester Frieda Steinhagen mit ihrem Ehemann Rudolf und dem Sohn Gerhard mit in die Bellermannstraße.

Bei der »Vergeltungsaktion« nach dem Anschlag der jüdischen Widerstandsgruppe um Herbert Baum im Mai 1942 wurde Rudolf Steinhagen ermordet. Seine Frau und Sohn wurden nach Theresienstadt deportiert.

Von da an wohnte die Verlobte Günter Rosens, Gerda Bigmann, sowie die Untermieterin Anni Schlesinger bei den Rosens. Mutter und Sohn sowie die beiden Mitbewohnerinnen wurden am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Frieda und Gerhard Steinhagen überlebten den Holocaust in Theresienstadt.

7. Stolpersteine Eulerstraße 25:

  • Alfons Manasse, 1902
  • Ruth Manasse, 1905
  • Gittel Manasse, 1938
  • Ingrid Manasse, 1930

Über die Familie Manasse ist nicht viel bekannt. Alfons (geb. 1902) und Ruth (geb. 1905) Manasse wurden mit ihren Kindern Gittel (geb. 1938) und Ingrid (geb. 1930) im Dezember 1942 nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet. 

Stolpersteine Eulerstraße 21:

  • Eugen Poppelauer, 1909
  • Gerda Poppelauer, 1908
  • Marianne Poppelauer, 1937
  • Hans Preuss, 1906
  • Hildegard Preuss, 1907
  • Joachim Preuss, 1936

Eugen (geb. 1909) und Gerda (1908) Poppelauer wohnten mit ihrer Tochter Marianne (geb. 1937) in der Eulerstraße 21. Nach dem Tod seines Vaters 1930 kam Eugen Poppelauer von Breslau nach Berlin. Er war eigentlich Jurist, doch ab 1933 konnte er diesen Beruf nicht mehr ausführen. In einem zu seiner Wohnung gehörenden Gewerberaum betrieb er ab 1936 zusammen mit seiner Frau eine Damenwäschemanufaktur. Als ihnen 1938 auch dieses Geschäft verboten war, half er in der jüdischen Kulturvereinigung zu Berlin aus.

Bei ihnen wohnten nach den Novemberpogromen 1938 Hans Preuss(geb. 1906), der Bruder von Gerda und seine Ehefrau Hildegard (geb. 1907). Die beiden hatten einen Sohn Joachim, der am 8. Mai 1936 geboren wurde. Hans Preuss war eigentlich Kaufmann, seine Frau Kontoristin. Als Kontoristin erledigte sie kleinere Verwaltungsaufgaben. Beide mussten jedoch bei verschiedenen Firmen Zwangsarbeit leisten. Die Familie Preuss wurde am 3. Februar 1942 nach Auschwitz deportiert. Ihnen folgte die Familie Poppelauer am 12. März 1943 nach. Beide Familien wurden in Auschwitz ermordet.

Stolperstein Eulerstraße 14:

  • Ruth Rosenblatt, 1911

Ruth Rosenblatt wurde 1911 in Koblenz geboren und lebte in der Eulerstraße 14. Sie arbeitete als Verkäuferin in Berlin. Ruth wurde im Mai 1942 nach Sobibór deportiert und dort ermordet. Stolperstein nicht gefunden

Stolperstein Soldiner Str. 8:

Egmon Schultz

„Ich möchte Dir nur immer sagen, wie lieb ich Dich habe, na, Du weißt es ja! Ich habe keine Angst vor dem Tod! Ich hätte so gern noch den Aufbau miterlebt! Schade! Behalte mich in gutem Andenken.“

Egmont Schultz in seinem letzten Brief an seine Mutter

Egmont Schultz gehörte zum Berliner Arbeiterwiderstand und war Mitstreiter der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, einer der größten Berliner Widerstandsgruppierungen gegen das Naziregime 1942 bis 1945. Er wurde am 13.10.1903 in Berlin geboren, war Werkzeugmacher von Beruf und Mitglied der KPD. Seit 1926 war er mit Mia Schultz verheiratet. Das Ehepaar wohnte hier in der Soldiner Straße 8. Er gehörte dem Arbeitersportverein „Fichte“ an und war bei der Firma Siemens & Halske in Berlin-Siemensstadt tätig. 

1936 wurde er zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Seit Anfang 1944 arbeitete er in der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation mit und bemühte sich um den Aufbau einer illegalen Betriebszelle in den Siemens-Werken. Er war beteiligt an der Verbreitung illegaler Flugschriften, sammelte Geld sowie Lebensmittelmarken und stellte seine Wohnung für illegale Zusammenkünfte zur Verfügung. Egmont Schultz war Mitverfasser eines Mai-Flugblattes für Siemensarbeiter und nahm am 1. Mai 1944 an einem konspirativen Treffen in Bernau teil. Am 17. Juli 1944 festgenommen, wurde er am 18. Dezember vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation:

Die Seafkow-Jacob-Bästlein war eine Kommunistische proletarisch geprägte Organisation, die in den Jahren 1943 bis 1944 in Berlin aktiv war. 

Diese größere Widerstandsorganisation in der Endzeit des  der NS-Diktatur war vom Kommunisten Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein gegründet für ihr Ziel „Weg mit Hitler – Schluss mit dem Krieg!“. Die Gruppe wollte ein demokratisches Deutschland auf sozialistischer Basis aufbauen.

In dieser Organisation fanden sich Kommunist*innen aus der KPD, Gewerkschafter*innen, Arbeitersportler*innen und Sozialdemokrat*innen der SPD. 1943/44 wurden es bis zu 500 Mitglieder.

Ihre Aufgabe war schwierig und gefährlich, deshalb konnten nur kleine und zuverlässige Kadergruppen den Tag des Umsturzes vorbereiten. 

Die Gruppe verteilte Flugblätter gegen den Faschismus und nahm im Jahre 1944 Kontakt mit Julius Leber und Adolf Reichwein auf. Die beiden waren sozialdemokratische Widerstandkämpfer, die sich an der Verschwörung beteiligten, die den Angriff auf Hitler am 20. Juli 1944 vorbereitete. Wie auch Egmont Schulz, bauten Anton Saefkow und Franz Jacob illegale Widerstandszellen in Berliner Fabriken auf deren Ziel es war, die Rüstungsindustrie zu schwächen. Sie boten zudem Schutzräume für vom Regime verfolgte an. Die Gestapo, die einen Spion in diese Organisation eingeschleust hatte, verhaftete am 22,Juni 1944 Anton Saefkow, Franz Jakob, Julius Leber und Adolf Reichwein. Bis zu ihrer Zerschlagung unterhielt die Gruppe Kontakte mit verschiedenen anderen Widerstandsgruppen 

Geschlechterrollen im Widerstand: Karen Holtmann: Die Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe vor dem Volksgerichtshof

Interessant ist auch wie das Engagement von männlichen und weiblichen Widerstandskämpfer*inne gesehen wurde. Das NS-Gerichtssystem attestierte den beteiligten Frauen grundlegend weniger politisches Engagement und Überzeugung als den Männern. Wo Widerstand bei Männern eine politische Straftat und demzufolge Hochverrat darstellt, wird es bei den beteiligten Frauen eher als erotische Hingezogenheit zu politisch Andersdenkenden beschrieben. Das geht konträr zur Struktur der Organisation in der mehr als ein Viertel der Aktiven Frauen waren.

Aber kann man sagen, dass der Widerstand als Werkzeug der Emanzipation wirkte? Im Angesicht des allem übergeordneten Wirken im Widerstand geriet die Frage der Gleichstellung eher in den Hintergrund. Jedoch waren mehr als die Hälfte der zur Organisation gehörenden Frauen aus eigenem Antrieb dazugestoßen.

Nach dem Auffliegen der Organisation nutzten die beschuldigten Frauen sämtliche Vorurteile die Nazirichter ihnen ohnehin schon zugedachten um ihre tatsächlichen Tätigkeiten und ihre Verantwortung zu verschleiern. In den einigen Fällen gelang ihnen das auch. Von 37 angeklagten Frauen wurden drei zum Tode verurteilt. Von den angeklagten Männern wurden immerhin 35% zum Tode verurteilt (68 von 186). Eine Ähnliche Fehlannahme machte das NS-Justizsystem bereits bei der Widerstandskämpferin Marie-Luise Schultze-Jahn, die sich in ihrem Prozess als Opfer des „halbjüdischen Verführers“ darstellte. Während Hans Leipelt, ihr Freund und Komplize, zum Tode verurteilt wurde, bekam sie „nur“ 12 Jahre Zuchthaus.

10. Stolperstein Prinzenallee 58:

  • Ella und Richard Gattel

11. Stolpersteine Stockholmer Str. 28:

  • Martin Fleischmann, 1892
  • Sonja Fleischmann, 1926

Sonja Fleischmann wurde am 3. November 1926 als Tochter des Ehepaars Martin und Ellie Fleischmann geboren. Zusammen mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Michael lebte sie in der Stockholmer Str. 29. Sonjas Vater betrieb hier ein florierendes Textilunternehmen, das für bekannte Berliner Damenkonfektionsfirmen produzierte. 

Die erst neunjährige Schülerin wurde bereits im Jahr 1935 ein frühes Opfer des NS-Terrors. Nach einem Wortwechsel misshandelte ein Scharführer der Weddinger Hitlerjugend das Mädchen vor dem eigenen Elternhaus derart brutal, dass es kurz darauf seinen Verletzungen erlag. 

Sonjas Vater wurde im Juli 1944 vor den Augen einer größeren Menschenmenge von örtlichen SA-Mitgliedern stundenlang so misshandelt, dass er kurz darauf an den schweren Verletzungen starb.

12. Kiezbüro Soldiner 42

Normalerweise würde der Spaziergang im Kiezbüro enden und gemeinsam könnten wir uns bei einer Tasse Tee wieder aufwärmen. Leider ist das momentan jedoch nicht möglich.

Wir möchten euch nochmal herzlich einladen uns Gedanken & Bilder von eurem Gedenken zukommen zu lassen. Oder ihr postet sie einfach und markiert mich. Wir teilen diese dann gern hier auf der Website, sodass alle anderen aus der Ferne dennoch teilhaben können.

Auch über Feedback zu diesem Format freuen wir uns, schließlich mussten wir spontan umplanen & hoffen natürlich, dass das für euch so auch in Ordnung war.

Solltet ihr sonst noch Anliegen haben, schreibt uns gerne eine Mail (buero.tomiak[at]gruene-fraktion.berlin), einen Brief oder eine DM.